Forschungsschwerpunkte der AG Kowalewski
1. Hypoxie & Steroidogenese
Wie beeinflusst Sauerstoffmangel die Hormonproduktion in reproduktiven Organen?
- Der Hypoxie-induzierte Transkriptionsfaktor HIF1α reguliert die Steroidbiosynthese durch Steuerung des STAR-Proteins.
- Sauerstoffmangel verändert die mitochondriale Dynamik und beeinflusst die Hormonproduktion.
- Verwendete Modelle: murine und bovine steroidogene Zellen in vitro.
Zusammenfassung:
Unsere Forschung untersucht, wie physiologisch reduzierte Sauerstoffkonzentrationen ("Physoxie") und hypoxieabhängige Signalwege die Produktion von Steroidhormonen in steroidogenen Zellen der Gonaden regulieren. Im Mittelpunkt steht dabei der hypoxieinduzierbare Transkriptionsfaktor HIF1α, ein zentraler zellulärer Sauerstoffsensor.
Mithilfe von Granulosazellmodellen konnten wir zeigen, dass HIF1α die Expression des Steroidogenic Acute Regulatory Proteins (STAR) sowie die Progesteronsynthese positiv reguliert. Dieser Effekt wird durch cAMP/PKA-abhängige Transkriptionsfaktoren wie cJUN, CREB und den Co-Aktivator CBP vermittelt. Darüber hinaus identifizierten wir HIF-stabilisierende Enzyme, insbesondere die Prolyl-Hydroxylasen (PHDs), als wichtige Regulatoren der HIF1α-Aktivität. Unsere Arbeiten zeigen, dass eine präzise abgestimmte HIF1α-Aktivität entscheidend ist und eine biphasische Regulation der STAR-Expression bewirkt: Sowohl zu geringe als auch zu starke HIF1α-Aktivität können die Steroidogenese beeinträchtigen.
Zur Verbesserung molekularbiologischer Analysen entwickelten wir zudem validierte Referenzgensets für hypoxiebezogene Untersuchungen in steroidogenen Geweben und Zelllinien. Ergänzend konnten wir im bovinen Corpus luteum die räumliche und zeitliche Expression von HIF1α und seinen Regulatoren während der Lutealphase sowie unter entzündlichen Bedingungen nach LPS-Stimulation charakterisieren. Dadurch konnten wir Zusammenhänge zwischen Sauerstoffwahrnehmung, Gefässentzündung und progesteronabhängigen Fruchtbarkeitsprozessen aufzeigen.
- Eilers Smith O et al. (2025) – Optimizing gene expression analysis under hypoxia: identification and validation of novel reference genes in steroidogenic tissues and cell lines
- Gomes LAB et al. (2025) – Dynamic Regulation of HIF1α and Oxygen-Sensing Factors in Cyclic Bovine Corpus Luteum and During LPS Challenge
- Lanfranchi B et al. (2022) – Transcriptional regulation of HIF1α-mediated STAR expression in murine KK1 granulosa cell line involves cJUN, CREB and CBP-dependent pathways
- Gysin T & Kowalewski MP (2021) – The involvement of hypoxia-inducible factor 1α (HIF1α)-stabilising factors in steroidogenic acute regulatory (STAR) protein-dependent steroidogenesis in murine KK1 granulosa cells in vitro
- Kowalewski MP et al. (2015) – The role of hypoxia and HIF1α in the regulation of STAR-mediated steroidogenesis in granulosa cells
• Damit der Körper Geschlechtshormone wie Progesteron bilden kann, braucht er ein wichtiges Schalterprotein namens STAR.
• STAR bringt Cholesterin dorthin, wo Hormone produziert werden. Ohne STAR entstehen kaum Steroidhormone.
Die Rolle von HIF1α:
HIF1α ist ein Sauerstoffsensor in den Zellen. Er reagiert darauf, wie viel Sauerstoff vorhanden ist, und beeinflusst dadurch die Hormonbildung.
Drei Szenarien:
1. Zu wenig HIF1α: STAR ist schwach, die Hormonproduktion sinkt.
2. Optimale HIF1α-Aktivität: STAR arbeitet optimal, Progesteron wird gebildet.
3. Zu viel HIF1α: STAR wird erneut gehemmt, die Hormonproduktion sinkt.
Zusätzlich arbeitet HIF1α mit Helferproteinen wie cJUN, CREB und CBP zusammen.
2. Rolle von HIF1α und Hypoxie während IVP
Wie beeinflussen Sauerstoffverfügbarkeit und HIF1α die Qualität von Eizellen und die Entwicklung von Embryonen im Labor?
- HIF1α reguliert wichtige Prozesse während der Reifung von Kumulus-Oozyten-Komplexen (COCs).
- Physiologische Hypoxie fördert die Kommunikation zwischen Kumuluszellen und Oozyte.
- Sowohl eine Hemmung als auch eine übermässige Aktivierung von HIF1α können die Embryonalentwicklung beeinträchtigen.
- Verwendete Modelle: bovine Kumulus-Oozyten-Komplexe (COCs), In-vitro-Reifung (IVM) und In-vitro-Fertilisation (IVF).
Zusammenfassung:
Durch die Untersuchung der Rolle von HIF1α während der In-vitro-Reifung von Kumulus-Oozyten-Komplexen (COCs) in einem bovinen Modell konnten wir zeigen, dass eine pharmakologische Hemmung von HIF1α die Funktion der COCs beeinträchtigt. Insbesondere führte die Blockierung der HIF1α-Aktivität und/oder -Expression zu einer verminderten Kumulusexpansion, reduzierter steroidogener Aktivität sowie einer eingeschränkten Kernreifung der Oozyten. Dies resultierte in signifikant niedrigeren Blastozystenraten nach der In-vitro-Fertilisation (IVF) und belegt, dass die HIF1α-Signalgebung essenziell für die normale Kommunikation zwischen Kumuluszellen und Oozyte sowie für die Entwicklungskompetenz der Eizelle ist.
Umgekehrt konnten wir mithilfe eines gezielten pharmakologischen Ansatzes zeigen, dass eine kontrollierte, moderate Stabilisierung von HIF1α während der In-vitro-Reifung – als Nachbildung der physiologischen Hypoxie im Follikel – die Blastozystenausbeute verbessert und stabilisiert. Eine übermässige Stabilisierung von HIF1α erwies sich hingegen als nachteilig. Unsere Ergebnisse zeigen somit, dass ein enges biologisches Wirkfenster existiert, in dem eine moderate Aktivierung von HIF1α die Entwicklungskompetenz der Oozyte fördert, während sowohl eine unzureichende als auch eine übermässige HIF1α-Aktivität die Embryonenentwicklung negativ beeinflussen.
Zusammenfassend unterstreichen diese Befunde die Bedeutung der physiologischen follikulären Hypoxie als entscheidenden Faktor für die Eizellqualität und weisen darauf hin, dass eine präzise Modulation von HIF1α einen vielversprechenden Ansatz zur biologischen Optimierung und Verbesserung boviner IVF-Verfahren darstellen könnte.
- Gübeli M et al. (2026) – Targeted hypoxia-inducible factor 1-alpha (HIF1A) stabilization during in vitro maturation of bovine cumulus-oocyte complexes increases blastocyst rates
- Turhan A et al. (2021) – Hypoxia-inducible factor (HIF1alpha) inhibition modulates cumulus cell function and affects bovine oocyte maturation in vitro
• Eizellen reifen im Eierstock natürlicherweise in einer Umgebung mit relativ wenig Sauerstoff heran.
• Damit die Zellen auf diese Bedingungen reagieren können, nutzen sie einen biologischen Sauerstoffsensor namens HIF1α.
• HIF1α hilft den Kumuluszellen dabei, die Eizelle während ihrer Reifung optimal zu unterstützen.
Drei Szenarien:
1. Zu wenig HIF1α:
Die Zellen können sich nicht ausreichend an die sauerstoffarme Umgebung anpassen. Die Kommunikation zwischen Kumuluszellen und Eizelle wird gestört, wodurch die Qualität der Eizelle und ihre Entwicklungskompetenz abnehmen.
2. Optimale HIF1α-Aktivität:
Die Eizelle reift unter physiologischen Bedingungen heran. Die Zusammenarbeit zwischen Kumuluszellen und Oozyte funktioniert optimal, wodurch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Befruchtung und Embryonalentwicklung geschaffen werden.
3. Zu viel HIF1α:
Eine übermässige Aktivierung von HIF1α stört das natürliche Gleichgewicht der zellulären Signalwege. Dadurch können wichtige Entwicklungsprozesse beeinträchtigt werden, was sich negativ auf die Embryonenentwicklung auswirkt.
3. Embryo- und feto-maternale Kommunikation
Wie kommunizieren Embryo und Uterus in der Hündin?
- Bereits vor und während der Implantation findet ein intensiver molekularer Austausch zwischen Embryo und Gebärmutter statt.
- Wachstumsfaktoren, Hormone und Immunmediatoren regulieren die Kommunikation zwischen Embryo und Endometrium.
- Die extrazelluläre Matrix (ECM) wird gezielt umgebaut, um die Einnistung des Embryos und die Entwicklung der Plazenta zu ermöglichen.
- Immunologische Mechanismen sorgen für die notwendige Balance zwischen Toleranz gegenüber dem Embryo und der Aufrechterhaltung der lokalen Immunabwehr.
- Neuartige In-vitro-Modelle ermöglichen die Untersuchung dieser Prozesse unter kontrollierten Bedingungen.
Zusammenfassung:
Die Kommunikation zwischen Embryo und Mutter während der Implantation und frühen Trächtigkeit bei der Hündin wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Wachstumsfaktoren, Hormonen, Prostaglandinen, Immunmediatoren sowie Komponenten der extrazellulären Matrix (ECM) gesteuert. Diese Signale regulieren die Interaktion zwischen dem frühen Embryo und dem mütterlichen Endometrium und schaffen die Voraussetzungen für die erfolgreiche Etablierung einer Trächtigkeit.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Anwendung innovativer In-vitro-Modelle, welche zentrale Prozesse der frühen Trächtigkeit nachbilden. Hierzu gehören primäre endometriale Stromazellen. Diese Modelle ermöglichen die Untersuchung molekularer Signalwege, welche Implantation, Gewebeumbau, Immunregulation und die embryo-maternale Kommunikation steuern.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeiten ist die Charakterisierung der unterschiedlichen Effekte von Samen- und Embryosignalen auf den mütterlichen Uterus. Dabei untersuchen wir, wie hormonelle und immunologische Signalwege bereits vor der Implantation aktiviert werden und wie der Embryo die uterine Umgebung gezielt moduliert, um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schwangerschaft zu schaffen.
Durch die Kombination von Zellkulturmodellen, molekularbiologischen Methoden und modernen Omics-Technologien gewinnen wir neue Einblicke in die biologischen Mechanismen der Implantation, der embryo-maternalen Kommunikation und der frühen immunologischen Anpassung des Uterus. Ziel dieser Arbeiten ist es, die Grundlagen der erfolgreichen Schwangerschaftsetablierung besser zu verstehen und neue Erkenntnisse für die Reproduktionsbiologie zu gewinnen.
- Adwell Mushati K et al. (2026) – Modulation of uterine responses in dogs: The divergent effects of semen and embryonal signals on steroidogenic receptors and selected immune system-related factors
- Tavares Pereira M et al. (2025) – Placental interleukin 1β signaling in canine pregnancy: differential effects during and after decidualization in vitro
- Kowalewski MP (2023) – Advances in understanding canine pregnancy: Endocrine and morpho-functional regulation
- Tavares Pereira M et al. (2022) – Transcriptomic profiling of canine decidualization and effects of antigestagens on decidualized dog uterine stromal cells
- Kazemian A et al. (2022) – Antigestagens Mediate the Expression of Decidualization Markers, Extracellular Matrix Factors and Connexin 43 in Decidualized Dog Uterine Stromal (DUS) Cells
- Tavares Pereira M et al. (2021) – Selected Uterine Immune Events Associated With the Establishment of Pregnancy in the Dog
- Kowalewski MP et al. (2020) – Canine conceptus-maternal communication during maintenance and termination of pregnancy, including the role of species-specific decidualization
- Graubner FR et al. (2020) – Canine decidualization in vitro: extracellular matrix modification, progesterone mediated effects and selective blocking of prostaglandin E2 receptors
- Nowak M et al. (2019) – Gene expression profiling of the canine placenta during normal and antigestagen-induced luteolysis
- Nowak M et al. (2018) – Luteal and hypophyseal expression of the canine relaxin (RLN) system during pregnancy: Implications for luteotropic function
- Nowak M et al. (2017) – Functional implications of the utero-placental relaxin (RLN) system in the dog throughout pregnancy and at term
- Graubner FR et al. (2017) – Uterine responses to early pre-attachment embryos in the domestic dog and comparisons with other domestic animal species
- Kautz E et al. (2015) – In vitro decidualisation of canine uterine stromal cells
- Kautz E et al. (2014) – Expression of genes involved in the embryo-maternal interaction in the early-pregnant canine uterus
• Schon wenige Tage nach der Befruchtung beginnt ein intensiver molekularer Austausch zwischen dem Embryo und der Gebärmutterschleimhaut.
• Der Embryo sendet Signale aus, welche die Gebärmutter auf die Implantation vorbereiten und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Trächtigkeit schaffen.
• Gleichzeitig passt sich das Immunsystem der Gebärmutter an. Es muss den Embryo als neuen Organismus akzeptieren, ohne dabei seine wichtige Schutzfunktion gegenüber Krankheitserregern zu verlieren.
• Unsere Forschung untersucht, wie hormonelle, immunologische und molekulare Signale diesen Dialog zwischen Embryo und Mutter steuern und dadurch die erfolgreiche Etablierung einer Trächtigkeit ermöglichen.
Wir untersuchen:
– Wie der Embryo die Gebärmutter auf die Implantation vorbereitet
– Welche Immun- und Botenstoffe an der frühen Schwangerschaft beteiligt sind
– Wie sich die Gebärmutter an die Anwesenheit des Embryos anpasst
4. Dezidualisierung & Neue Konzepte der kaninen Plazentation
Welche Rolle spielen Dezidualzellen in der Plazenta der Hündin?
- Die Hündin besitzt eine ausgeprägte Dezidualisierung der Gebärmutterschleimhaut.
- Dezidualzellen sind hormonabhängige maternale Zellen mit zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit.
- Progesteronrezeptoren werden in der kaninen Plazenta hauptsächlich von Dezidualzellen exprimiert.
- Extrazelluläre Vesikel (EVs) vermitteln wichtige Signale zwischen maternalen Dezidualzellen und fetalem Trophoblast an der fetomaternalen Grenzfläche.
- Moderne 3D-Rekonstruktionen zeigen komplexe räumliche Interaktionen zwischen maternalen Dezidualzellen und fetalem Trophoblast.
- Aktuelle Untersuchungen mittels Single-Nucleus-RNA-Sequenzierung (snRNA-seq) ermöglichen die hochauflösende Charakterisierung einzelner Zellpopulationen und ihrer molekularen Funktionen an der fetomaternalen Grenzfläche.
- Diese Befunde unterstützen ein erweitertes Verständnis der kaninen Plazentaschranke und unterstreichen die besondere Bedeutung maternaler Dezidualzellen als aktive Bestandteile der fetomaternalen Grenzfläche. Sie weisen zudem auf die Relevanz einer deziduo-chorialen Grenzfläche als funktionell wichtige Komponente der Plazentation bei der Hündin hin.
Zusammenfassung:
Unsere Forschung untersucht die Herkunft, Differenzierung und Funktion von Dezidualzellen in der Plazenta der Hündin. Durch molekularbiologische, ultrastrukturelle und dreidimensionale Analysen konnten wir zeigen, dass Dezidualzellen eine hochspezialisierte mütterliche Zellpopulation darstellen, die eine zentrale Rolle bei der Progesteronwirkung, der Aufrechterhaltung der Plazentafunktion sowie den Gewebeumbauprozessen rund um die Geburt spielt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle extrazellulärer Vesikel (EVs) als Kommunikationsmechanismus zwischen maternalen Dezidualzellen und fetalem Trophoblast. Diese nanoskaligen Signalträger transportieren Proteine, Lipide und regulatorische RNA-Moleküle und können dadurch Zellfunktion, Differenzierung und Kommunikation an der fetomaternalen Grenzfläche beeinflussen.
Aktuelle Untersuchungen mittels serieller Rasterelektronenmikroskopie (SEM) und dreidimensionaler Rekonstruktionen zeigten umfangreiche physische Interaktionen zwischen mütterlichen Dezidualzellen und fetalen Trophoblastzellen an der fetomaternalen Grenzfläche. Diese Befunde unterstützen ein erweitertes Verständnis der kaninen Plazentaschranke und weisen auf die besondere Bedeutung einer deziduo-chorialen Grenzfläche als funktionell relevante Komponente der Plazentation bei der Hündin hin.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen untersuchen wir derzeit mithilfe modernster Single-Nucleus-RNA-Sequenzierung (snRNA-seq) die zelluläre Zusammensetzung und funktionelle Spezialisierung der kaninen Plazenta auf Einzelzellniveau. Ziel ist es, neue Zellpopulationen sowie deren molekulare Signalwege und Interaktionen an der fetomaternalen Grenzfläche zu identifizieren und dadurch die Mechanismen der Plazentation und Trächtigkeitserhaltung noch besser zu verstehen.
- Kowalewski MP (2026) – Morpho-functional uterine and placental dynamics during establishment and maintenance of canine pregnancy, from early trophoblast invasion to parturition
- Corte GM et al. (2025) – Morphological and functional aspects of the canine placental barrier: evidence supporting a deziduo-chorial model
- Kowalewski MP (2023) – Advances in understanding canine pregnancy: Endocrine and morpho-functional regulation
Wie funktioniert die Verbindung zwischen Mutter und Welpe?
• Während der Trächtigkeit bilden sich in der Gebärmutter spezialisierte mütterliche Zellen, sogenannte Dezidualzellen. Sie unterstützen die Entwicklung der Plazenta und tragen dazu bei, die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten.
• Diese Zellen stehen in engem Kontakt mit den fetalen Trophoblastzellen und bilden gemeinsam die Grenzfläche zwischen Mutter und Nachwuchs.
• Einen Teil dieser Kommunikation übernehmen winzige Partikel, sogenannte extrazelluläre Vesikel (EVs). Sie transportieren Proteine, RNA und andere Botenstoffe zwischen den Zellen und koordinieren wichtige Prozesse während der Plazentaentwicklung.
• Moderne 3D-Rekonstruktionen zeigen, dass diese Kontaktzone deutlich komplexer aufgebaut ist als bisher angenommen und aus einem eng vernetzten Zusammenspiel mütterlicher und fetaler Zellen besteht.
• Mit modernster Single-Nucleus-RNA-Sequenzierung (snRNA-seq) können wir heute sogar die Aktivität einzelner Zellkerne untersuchen. Dadurch lässt sich erkennen, welche Zelltypen in der Plazenta vorkommen, welche Gene sie nutzen und wie sie miteinander kommunizieren.
• Diese Erkenntnisse helfen uns, die Entstehung und Funktion der Plazenta sowie die Mechanismen einer gesunden Trächtigkeit besser zu verstehen.
5. Reproduktionsbiotechnologien bei Pferd und Rind
Wie beeinflussen hormonelle, parakrine und inflammatorische Signale im Ovar und Uterus die Eizellqualität, Embryoproduktion und Fruchtbarkeit bei Kühen und Stuten?
- Ein gesundes, fein ausbalanciertes intrafollikuläres Umfeld ist entscheidend für die Erwerbung der Entwicklungskompetenz der Oozyte.
- Von der Oozyte sekretierte Faktoren steuern Follikelentwicklung und -reifung und gelten damit als Schlüsselregulatoren – und potenzielle therapeutische Targets.
- Im Fokus stehen oozyten-sekretierte Faktoren (GDF9, BMP15), Glukokortikoide, Steroidhormone sowie Anti-Müller-Hormon (AMH) als Biomarker für ovarielle Reserve und IVF-/ICSI-Erfolg.
- Die translationale Verknüpfung zellulärer Mechanismen im Follikel mit praxisrelevanten Parametern bietet konkrete Ansatzpunkte zur Optimierung von Fruchtbarkeit und Embryonenproduktion in der tierärztlichen Praxis.
Zusammenfassung:
Im Zentrum dieser Arbeiten steht die Frage, wie die Mikroumgebung von Ovar und Uterus die Entwicklungskompetenz der Eizelle und letztlich die Fruchtbarkeit von Kühen und Stuten bestimmt. Dabei wird deutlich, dass die Eizelle nicht isoliert reift, sondern in ein dichtes Netzwerk aus Granulosa- und Kumuluszellen, Follikelflüssigkeit, endokrinen Signalen und entzündlichen Mediatoren eingebettet ist, das ihre Qualität nachhaltig prägt.
Eine zentrale Rolle spielen oozyten-sekretierte Faktoren der TGF-β-Superfamilie wie GDF9 und BMP15, die über parakrine Signalwege Steroidogenese, Proliferation und Apoptose der Granulosazellen steuern und damit den Übergang vom wachsenden zum ovulationsbereiten Follikel regulieren. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Glukokortikoide im Follikel lokal fein moduliert werden und die Genexpression in Kumulus-Oozyten-Komplexen beeinflussen, ohne die Reifungsrate zu verändern – ein Hinweis darauf, dass „Stresshormone“ unter physiologischen Bedingungen Teil des Reifungsprogramms sind.
Auf dieser empfindlichen Bühne wirken metabolischer und entzündlicher Stress oft unsichtbar, aber folgenreich: Subklinische Ketose, Mastitis oder Endometritis verschlechtern die morphologische Qualität von Eizellen und Embryonen und erhöhen die Häufigkeit abnormaler Teilungen, auch wenn klassische Kennzahlen wie Cleavage- und Blastozystenraten zunächst stabil erscheinen. Entzündungsmediatoren wie Lipopolysaccharid beeinträchtigen zusätzlich die Entwicklungsfähigkeit, können jedoch durch gezielte Ergänzung von GDF9 während der IVM funktionell kompensiert werden, was neue therapeutische Ansätze zur Stabilisierung der ovariellen Mikroumgebung eröffnet.
Auf Systemebene verknüpfen die Studien diese intrafollikulären Prozesse mit endokrinen Biomarkern wie AMH, Estradiol- und Progesteron, die als Fenster zur ovariellen Reserve und zum zu erwartenden Embryo-Output dienen. AMH erweist sich dabei als robuster Marker für die Grösse des funktionellen Follikelpools und steht – je nach Spezies und Parität – in Beziehung zu Besamungsintervallen, Embryozahlen und Superovulations Antwort, während Estradiol- und Progesteronprofile den optimalen Zeitpunkt für OPU IVP bzw. OPU ICSI anzeigen.
Zusammengenommen zeichnen diese Studien das Bild einer hochdynamischen fetomaternalen Achse, in der oozyten-gesteuerte Signalwege, endokrine Profile und Gesundheitsstatus ineinandergreifen und den Weg von der follikulären Reifung bis zur erfolgreichen Trächtigkeit in Kühen und Stuten bestimmen.
- Vernunft and Scarlet (2026) – Application of Anti-Müllerian Hormone in Regulation of Ovarian Function and Its Practical Relevance for Fertility and Embryo Production in Cows and Mares
- Scarlet D et al. (2026) – Growth Differentiation Factor 9 Supplementation Restores the Lipopolysaccharide‐Induced Negative Effects on Bovine Oocyte Developmental Competence
- Samie KA et al. (2025) – Roles of GDF9 and BMP15 in equine follicular development: in vivo content and in vitro effects of IGF1 and cortisol on granulosa cells
- Scarlet D et al. (2025) – Endocrine profile and OPU-ICSI outcomes in mares: a comparative study
- Scarlet D et al. (2024) – Exogenous FSH/LH modulates TGF beta signaling genes in granulosa cells of Simmental heifers without affecting IVP results
- Serbetci et al. (2024) – Impact of negative energy balance and postpartum diseases during the transition period on oocyte quality and embryonic development in dairy cows
- Samie KA et al. (2023) – Effects of cortisol on granulosa cell function during follicle maturation in the horse
- Scarlet D et al. (2023) – Relationship between Clinical Uterine Findings, Therapy, and Fertility in the Mare
- Scarlet D et al. (2016) – Glucocorticoid metabolism in equine follicles and oocytes
• Wachstumsfaktoren wie GDF9 und BMP15, Hormone sowie Entzündungsmediatoren steuern gemeinsam, wie gut sich die Eizelle entwickelt und ob daraus später ein gesunder Embryo entstehen kann.
• Auch Erkrankungen wie Entzündungen oder Stoffwechselstörungen können diese empfindliche Umgebung beeinflussen und dadurch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
• Mithilfe moderner Reproduktionsbiotechnologien untersuchen wir, wie sich diese Prozesse gezielt verbessern lassen – beispielsweise durch die Optimierung der In-vitro-Reifung (IVM), der In-vitro-Embryoproduktion (IVP) sowie von OPU-IVP- und OPU-ICSI-Verfahren bei Kühen und Stuten.
• Ziel unserer Forschung ist es, die Qualität von Eizellen und Embryonen zu verbessern, die Fruchtbarkeit zu erhöhen und neue wissenschaftliche Grundlagen für moderne Reproduktionsmedizin und Tierzucht zu schaffen.